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Alte Post Pirmasens: eine neue Schönheit entsteht.

Pirmasens 2012. Aus dem seit Jahrzehnten leer stehenden Gebäude der alten Kraftpost wird nun das Forum Alte Post. Das Gebäude, das in Zukunft kulturellen Veranstaltungen Raum geben soll, wird zurzeit in seinem Inneren komplett entkernt und saniert. Auch die Fassade soll im Zuge der Restaurierung wieder in Schönheit erstrahlen. Im Mittelpunkt steht dabei der aufwändig gestaltete Fries aus dem Jahr 1893, das damals von den Keramikexperten aus dem Hause Villeroy & Boch für das Gebäude gestaltet und gefertigt wurde.

Aufgabe
Im Zuge der Fassendenerneuerung soll der 50 cm hohe Fries als filigranes Highlight des Gebäudes direkt unterhalb des Dachsturzes wieder hergestellt werden. Insgesamt 33,40 laufende Meter und 16,70 qm müssen restauriert, aber auch ergänzt werden. Denn da das Gebäude im Krieg stark beschädigt wurde, müssen fehlende Mosaike in weiten Teilen erneuert werden. Eine Aufgabe, die dank der im Archiv der Artefactur immer noch erhaltenen Original-Vorlagen des Auftragsbuchs perfekt zu lösen ist.

Umsetzung: Bereits im Jahr 1893 wurde Villeroy & Boch mit außergewöhnlichen Aufgaben betraut, wie die Original-Eintragung des Auftragsbuch zeigt: Die Bestellung eines Fassadenfrieses mit den Motiven Posthorn, Löwe und Telegraph. Doch nicht nur dieses Dokument ist heute bei der Wiederherstellung der insgesamt 16,70 m2 Mosaiksteine behilflich. Auch die damals verwendeten Originalfarben existieren noch im Archiv – sorgsam dokumentiert nach den bis zum Produktionsstopp unveränderten Farbnummern. Vor dem ersten Montageschritt im August 2012 überzeugten sich die Spezialisten der Artefactur vor Ort vom Zustand der Mosaike, aber auch von der Qualität des Untergrundes. Ihr Fazit: Nicht nur Hinterlaufungen, Verschmutzungen und Risse müssen bearbeitet werden. Vor allem der komplette Unterputz muss entfernt und gegen einen neuen mit stärkerer Tragfähigkeit ausgewechselt werden: Nur so lässt sich eine hochwertige Basis für die nun folgende aufwändige Restaurierung der Mosaike schaffen. Die meisten der alten Mosaiksteine wurden im Jahr 1893 im damals gängigen Format 1 x 1 cm gefertigt und wurden sofern nicht durch den Krieg zerstört, aufgrund ihrer ausgezeichneten Qualität im Fries erhalten. In den Folgejahren ging man jedoch auf größere 2 x 2 cm formatige Steine über. Die Folge für die Restaurateure von heute: Die Steine müssen Stück für Stück nachgefertigt und anschließend von Hand auf das ursprüngliche Format zugeschnitten werden. Und das in enormer Stückzahl. Für den 50 cm hohen, 33,4 m langen Fries werden über 15.000 Steine pro Quadratmeter, also insgesamt über 250.000 Steine verwendet! Um die einzelnen Motive zu setzen, müssen darüber hinaus feine Tonstifte gefertigt werden. Sie dienen dazu, die Konturierung der einzelnen Mosaik-Muster zu definieren und einzelne Elemente abzugrenzen. Die Steine aus unglasiertem Feinsteinzeug, kombiniert mit italienischen Glasmosaiksteinen lassen schließlich die historischen Motive in leichter floraler Ornamentik neu entstehen. Um den Fries vor Ort originalgetreu wieder herstellen zu können, ist zudem eine enorme logistische Vorarbeit nötig.Zur Unterstützung der Verlegearbeit werden deshalb jeweils ca. 250.000 dieser Mosaiksteine zu 40 x 50 cm großen Tafeln zusammengefasst und mit Papier verbunden. Diese Tafeln werden durchnummeriert und zusammen mit einem präzisen Verlegeplan sukzessive zur Baustelle geliefert. Ein praktischer und komfortabler Service, der die Partner in Pirmasens deutlich entlastet.

Ergebnis: Die Fassade des Pirmasenser Kulturzentrums „Alte Post“ bekommt zum 250-Jährigen Stadtjubiläum ein neues Gesicht. Die aufwändig restaurierte Fassade lässt das historische Gesamtkunstwerk in neuem Glanz erscheinen.

Auftraggeber: Ein Projekt der Stadt Pirmasens, zum Großteil finanziert durch das zweckbestimmte Erbe einer Privatperson.
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